Joachim SCHRÖDER (Pronsfeld)

»Brauchtum in der Westeifel«schroeder_roemerLuetzkampen

Fotografien und Text-Dokumentation


AUSSTELLUNG vom 30. Dezember 2011 bis 8. April 2012

Die Ausstellung zeigte einen reich bebilderten Überblick über die regionalen Feste im Ablauf des Jahres. Es war dies die letzte Ausstellung, die sich speziell und ausschließlich kunst- und kulturgeschichtliche Themen widmete. Zwischen 2002 und 2012 fand man derartige Ausstellungen immer während der Winter-Monate in der ARTE-HALLE. Wegen der Witterungsverhältnisse (v. a. wegen des Nebels, der sich auf den Bildträgern absetzte und kondensierte) war es uns nicht für möglich erschienen, originale Kunstwerke zu präsentieren. So waren die

Winterausstellungen also vorwiegend (reich bebilderte) Dokumentationen. Jetzt zeigen wir diese Art von Regionen-bezogene Ausstellungen in STUPBACH in unserem HAUS DER LANDSCHAFT UND GESCHICHTE. In der ARTE-HALLE hängen im Winter nun – ab Ende 2012 – nur noch „reine” Kunst-Ausstellungen. Sie zeigen Arbeiten von Kunst-Fotografinnen und Kunst-Fotografen (vgl. 2012/13: ÉMWE; 2013/14: L. LIEBERMANN).

2011/12: Eifeler und Ardenner Bräuche im Jahresverlauf

Die Bilder, darunter auch seltene und alte Fotografien, gaben einen umfassenden Einblick in das lebendige Brauchtum der West-Eifel und der benachbarten Ardennen. Begleittexte beschrieben die Bedeutung und Herkunft der Brauchtumshandlungen und deren Wandel. Die Bild- und Textdokumentation stützte sich auf die Veröffentlichungen und das Archiv des bekannten Pronsfelder Heimatforschers Joachim Schröder.

31. Dezember/01. Januar: SYLVESTER / NEUJAHR

Das neue Jahr wird „angeschossen“, mit Knallern und Feuerwerk begrüßt. Früher war das freilich anders: So entzündete man kleine Feuer, traf sich im Wirtshaus zum Kartenspiel und geselligen Miteinander. Erst um Mitternacht waren Frauen zugelassen, um ausgelassen mitzufeiern.

6. JANUAR: schroeder_SternsingerSTERNSINGEN am Dreikönigstag

Am . „Erscheinungstag“ empfängt man die „Heiligen Drei Könige“ (siehe Bild!). Sie schreiben den Segensspruch „C+M+B“ an die Haustüren.

2. FEBRUAR: LICHTMESS

Am Lichtmesstag ging es zur Kerzenweihe in den Gottesdienst, einen Tag später zum Blasius-Halssegen in die Kirche. In Prüm verehrte man am 1. Februar die Heilige Brigitte als Viehheilige.

Donnerstag vor Karneval: FETTDONNERSTAG

Fastnacht oder – wie man im Kölner Raum sagt – der „Fastelowend“ beginnt am Weiberdonners-tag, Früher bestand das gelebte Brauchtum ledig-lich aus Heischegängen der Kinder mit Liedern und vereinzelten „Möhnentreffen“. Heute ziehen auch Karnevalszüge mit aufwändig gebauten Wa-gen durch die Dörfer.

1. FASTENSONNTAG: BURG-SONNTAG

Der 1. Fastensonntag ist bis heute der „Burg-, Hütten- oder Scheefsonndisch“. An diesem Tag lodern auf den Eifelhöhen die Frühjahrsfeuer, in einigen Landstrichen werden auch brennende Räder zu Tal gerollt. Mit dieser symbolischen Handlung will man den Frühling begrüßen.

Woche vor Ostern: KLAPPERN IN DER KARWOCHE

Von Gründonnerstag bis zur Ostermesse schwei-gen die Kirchen-Glocken. Stattdessen machen sich die Jungen bereit, in so genannten „Klap-perzügen“ in den Dörfer zu gehen Angelus- und Gottesdienstzeiten anzukündigen. „Et lockt Bätglock“ („Es läutet die Betglocke“) heißt es dann in Mundart. Die Praxis der Jungen wurde und wird mit Dankbarkeit zur Kenntnis genom-men und mit Eiergaben entlohnt.

OSTERN:  EIER-LAGEN

In der Familie werden vielerlei Eierspiele ge-pflegt: Eiertippen, Eierschattern, Eierticksen. Ein weltliches Großfest in der Eifel ist am Ostersonntag die „Schönecker Eierlage“, ein Relikt aus burgherrlicher Zeit, als zwei Konkurrenten im „Raffen“ der ausgelegten 104 Eier und Laufen um die Wette spielten. Bis heute zählt dieser Brauch zu den größten Volksfesten in der Eifel.

30. APRIL-1.MAI: MAIBAUM-SETZEN

Jetzt wird in allen Dörfern der geschmückte Mai-baum aufgepflanzt. Im Mai sind einige kirchliche Traditionen verankert: Maiandachten zu Ehren der Muttergottes oder Aufbau häuslicher Altärchen.

APRIL BIS OKTOBER: KIRMES 

Die Dorfkirmes war früher der Höhepunkt häus-licher und kirchlicher Feiern: Im Mittelpunkt ste-hen Besuche von auswärts lebenden Familienmit-gliedern mit reichlich Speisen und Getränken. Für die Kinder waren die Rummelplätze mit Fahrgeschäften die Attraktion. Der Termin der Kirmes richtet sich nach dem Fest des Kirchen-Patrons des jeweiligen Ortes ( in Welchenhausen: zweite Hälfte des Septembers = Sonntag nach dem Fest des Heiligen Cornelius ).

15. AUGUST: KRAUTWISCH

Mitten im Hochsommer ist der „Frauentag“.Auf Maria Himmelfahrt wird der so genannte „Kraut-wisch“ gesegnet: früher 72 oder gar 99 Blumen und Kräuter. Diese werden in der Kirche gesegnet, früher auch anschließend dem Viehfutter beigemischt und noch immer im Haus aufgehängt. Dieses Bündel gilt als Schutz vor Viehseuchen, Blitzschalg und Unwetter.

1. OKTOBERSONNTAG: ERNTEDANK 

Beim Erntedankfest am ersten Oktobersonntag werden in den Kirchen des Gartens und der Felder ausgebreitet. Vielerorts finden sich auch so genannte „Erntedank-, Bauern- und Handwerker-Umzüge“. Sie sind neuerer Art und im Grunde meistens Touristen-Attraktionen.

1. UND 2. NOVEMBER: ALLERHEILIGEN, ALLERSEELEN

Ganz im Zeichen des stillen Gedenkens steht der November mit seinen zahlreichen Erinnerungsfei-ern und Gedenktagen. Allerheiligen, Allerseelen, auch Volkstrauertag, Totensonntag und Buß- und Bettag. Sie dienen der Erinnerung an verstorbene Familienangehörige, im Krieg gefallene und vermisste Mitmenschen. Zu den Brauchhandlungen zählen die Pflege der Gräber, Rosenkranz-andachten und Totengebete.

10.-11. NOVEMBER: SANKT MARTIN

Mit dem „Tag des Kinderfreundes St. Martin“ beginnt allmählich die Vorfreude auf die Advents- und Vorweihnachtszeit. Es gibt „Laternen-Umzüge“ der Kinder ( mit dem Schauspiel der „Mantel-Teilung“) und bisweilen auch große „Martinsfeuer“ wie z. B. im benachbarten Burg-Reuland.

5.-6. DEZEMBER: NIKOLAUS-FEST – 

Am Nikolausabend kommt hier der „Kinderfreund“ immer noch im Bischof-Gewand zur Be-scherung der Kinder in die Häuser. Er bringt aber dann auch den gruseligen „Hans Muff“ mit, der mit der Rute droht und mit Ketten rasselt, wenn St. Nikolaus die Kinder zu tadeln hat.

24. DEZEMBER: HEILIGABEND – 

Die Adventszeit ist die Zeit der häuslichen Vorbereitung auf den „Christtag“: Basteln, Backen, Schmücken und das Bemühen um die Hauskrippe haben Vorrang. In der Eifel war und ist der Heili-ge Abend bereits ein vorgezogenes Weihnachts-fest. Am Tag wird die Krippe aus Wurzeln, Wacholderzweigen, Steinen und Moos zusammengefügt – ein Erlebnis für die männlichen Hausbewohner. Am Heiligen Abend erfolgt die heiß ersehnte Bescherung mit Gesang, Instrumentalmusik, dem Anzünden der Kerzen in abgedunkelter Stube.
Die so genannten acht oder zehn „Raunächte“ zwischen Weihnachten und Neujahr, in denen früher das Haus mit geweihten Krautern zum Schutz vor Wotans wildem Heer oder anderen bösen Geistern ausgeräuchert wurde, spielt heute in der Eifel keine Rolle mehr.

 


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