hArt an der Grenze

Willi Filz:

„OURMENSCHEN – IDENTITÄTEN“

Seit der kulturellen Geburt der menschlichen Spezies kreist das Denken jedes Einzelnen ebenso wie das der Philosophen und Künstler um die Frage nach dem Wesen des Menschen und was ihm – trotz aller sozialen Prägung oder Fesseln – unverwechselbare Individualität verleiht.

Der ostbelgische Fotograf Willi Filz hat diese Existenzfrage von Anfang an in den Mittelpunkt seines künstlerischen Werks gerückt. Die Suche nach »Menschen-Bildern« hat ihn durch zahlreiche Länder und Kontinente geführt. Mit dem Projekt »OUR-MENSCHEN« ist Filz der Region seiner Herkunft, Deutschsprachige Gemeinschaft / Ostbelgien, wieder nahe gerückt.

Seit fast zwei Jahrhunderten stoßen dort – »hart an der Grenze« / im oberen Ourtal – drei Staaten aufeinander, die den dort lebenden Individuen verschiedene politische Identitäten, Ausweise, Amtssprachen usw., kurzum: drei Nationalitäten andienten oder aufoktroyierten. Wo jene (Kon-)Frontationen ihren geografischen Schnittpunkt hatten und noch haben, am »Dreiländereck« nämlich zwischen den Orten Ouren, Sevenig und Lieler, röhren inzwischen »mild-europäische Platzhirsche« und proben Zusammenarbeit.

Dort ließ Filz – mitten im Grenzfluss – eine Plattform errichten, eine Volksbühne quasi, auf der sich die Menschen präsentierten: Jeder steht da für sich, als Wesen einmalig; gleichwohl durch Landschaft und Arbeit, Kultur und Tourismus nachbarschaftlich vereint.

Filz fotografierte, ohne sich aufzudrängen, ohne stilistische Exaltationen; an historisch-symbolischer Stelle, wo die Grenzen im Fluss sind. Filz nennt seine Arbeit bescheiden »Seh-Übungen«. Aber mit Blick auf die Kunst, die ab der Renaissance nach dem »Antlitz des Menschen« sucht, sind die Porträts des Willi Filz – weil ohne Kniefall vor Herrschern, ohne Pose und Pathos – als vollendet großes Projekt unserer Zeit zu erkennen, menschlich, global und demokratisch.

 


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