Sommer 2012

THEODOR WIESEN

»totems & phantome«

„Mit meiner Kunst wollte ich in erster Linie die Gespenster und Dämonen meiner Kindheit bannen…“ So charakterisierte einst Theodor Wiesen seine Arbeit als Künstler. Anfangs stellte er riesenhafte Skulpturen um sein Haus und das Sägewerk, das er betrieb. Das Material lieferte der Wald; Form und Gestalt der Figuren gaben ihm die Fichtenstämme vor, die in der Säge für Bretter & Balken nicht taugten. Aber sein Auge sah, noch bevor er zum Schnitzwerkzeug griff, darin die seltsamen Wesen, die er als Künstler zum Leben erweckte. Über den Zaun, der sein Gelände umschloss, ließ er Hexen und Kobolde tanzen; Baumwurzeln gaben diesen Dämonen ihre fratzenhaften Gesichter. „Meine Kunst ist ganz einfach; ich hole ja eigentlich nur aus all den Hölzern heraus, “ – sagte Wiesen – „was da verborgen schon drinsteckt!“ Auch in sehr vielen seiner Gemälde tummeln sich Bestien, Unholde, Nachtvögel, Schattengestalten. Das ist die eine Seite des Werks, das Theodor Wiesen intensiv erst, als er 60 war, anging und danach – fast wie besessen – während seines letzten Lebensdrittels rund dreißig Jahre weiter vorantrieb… (mehr …)


Thomas Rother

eins und eins ist eins

 

Der bildende Künstler Thomas Rother arbeitet seit 2000 an einem deutsch-europäischen Grenzprojekt. An Deutschlands Grenzen werden Zeichen der Gemeinsamkeit der europäischen Völker gesetzt. Der Künstler wählte dafür das älteste Zeichen aller Kulturen, das Plus-Zeichen, das Ì. Das Atelier des Künstlers liegt im Ruhrgebiet, in jenem Schmelztiegel europäischer Menschen, die dort seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Arbeitskräfte zuzogen. Dort hat auch das Projekt Thomas Rothers begonnen. Arbeiten aus unterschiedlichsten Materialien zeigen die vielfältigen Darstellungsmöglichkeiten des einfachen Zeichens.

Die tonnenschweren »Sternschnuppen« von Thomas Rother wurden beim Rohr-Hersteller EUROPIPE in Mülheim (Ruhr) gefertigt. Zwei dieser „Wegmarken für Europa“ stiftet EUROPIPE nun dem Museum in der wArtehalle Welchenhausen. Sie werden im Our-Tal – nahe dem Dreiländereck – aufgestellt, als Plus-Zeichen Westen, zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg. (mehr …)


FRITU(Ü)RE

Eric Legrain, Marc Beauvent

BELGIEN (oder LES PAYS BAS, wie das Gebiet zwischen Ardennen. Niederrhein und Nordsee früher auch genannt wurde) ist ein Land voll bewundernswerter Kultur und Lebensweise. Davon zeugt (z.B. in Brügge, Gent, Lüttich) die Pracht der mittelalterlichen Bauwerke. In Brüssel nahm der „Jugendstil“ seinen Anfang. Der ausgelassenste Karneval (etwa in Stavelot, Eupen, Malmedy) wird dort gefeiert Der Maler James ENSOR steht für die Epoche des „Surrealismus“ einmalig da. Und das „Goldene Zeitalter“ Belgiens reicht in der Malerei von Roger van der WEYDEN und den van EYCKs über BREUGHEL bis RUBENS. Dort zeugen die Darstellung von Landschaften, Natur- oder Innenräumen vom präzisen wie einfühlsamen Blick der Künstler. Der Welt zugewandt und voller Sinnenfreude sind die Stillleben, auf denen sich Berge von Früchten, Fleisch und Geflügel in glitzernden Weinpokalen spiegeln. Und auf den Darstellungen von Bauernhochzeiten schleppen die Köche Schüsseln voll Fladen und Brei, das Bier fließt natürlich in Strömen. Und – hätten die Belgier damals bereits die „FRITE“ oder „POMMES“ gekannt, (die sie der Welt später zum Geschenk brachten) wir würden diese auch schon auf den Gemälden der alten Meister entdecken können.

Die Künstler LEGRAIN und BEAUVENT (der erstere aus BEHO / Provinz Luxembourg, der andere Belgo-Kanadier) haben speziell für die diesjährige Sommerausstellung der wARTEHALLE die „FRITURE“ bzw. die „FRITE“ zum ausschließlichen Gegenstand ihrer Arbeiten gemacht. Das ist einerseits genussvoll, witzig, lebensnah; vielleicht auch für manche Betrachter überraschend, dass eine derart normal-triviale Sache zum künstlerischen Objekt erhoben wird. Die beiden belgischen Künstler lockte jedoch nicht nur der alltägliche Augenschein. Für sie ist „FRITURE“ ein soziales Phänomen (vgl. „Manifest“). Der Titel der Ausstellung- eine Verbindung der belgischen/flämischen/deutschen Wörter für die „Institution Frittenbude“ – verweist bereits deutlich auf die Grenzen sprengende Internationalität der „Friture/Frituur/Fritüre“. Auch kommt (vor allem in den Arbeiten von Eric LEGRAIN) das Chaotisch-Anarchisch-Kreative der tausenden namenlosen „Baumeister von Fritten-Ständen und Imbiss-Buden“ bewundernd mit zum Ausdruck: Dieser Wildwuchs der Anlagen, Aufbauten, Schilder, Lagerschuppen und Abfallecken steckt in der Realität bereits voll ungezügelter Originalität. Eric LEGRAIN stellt darum einerseits modellartige Zeichnungen von wirklich vorfindbaren Fritüren dar, versehen mit handschriftlichen Erläuterungen wie die eines – von seinem Studien-Gegenstand besessenen – Volkskundlers oder Orchideensammlers. Daneben entwirft er ausgehend vom Grundprinzip der realen „Fritüren“, selbst erdachte Fiktionen und Erweiterungen zum Thema. Die Kühle der Bau-Skizzen, die expressive Handschrift und die serielle Variation der „Fritüren“-Bilder LEGRAINs erzeugen starke Kontraste. Marc BEAUVENT liefert dagegen verfremdete Foto-Grafiken, die chiffrenhafte, überraschende Aspekte ergeben. Der Unterschied in der Darstellungsform der Künstler schafft sowohl Korrespondenz als auch Spannungsreichtum.


Bernd Müller

» EIFEL-GESICHTE «

Zeichnungen & Radierungen

Der Künstler Bernd Müller ist vor allem Graphiker. Und dies ist er im umfassenden Sinn des Begriffes: Unter Graphik versteht man ganz allgemein „Zeichenkunst“. Sie umfasst die Handzeichnung ebenso wie die Druckgraphik, und ursprünglich bezog sich der Begriff sowohl auf die Tätigkeiten des Schreibens und Zeichnens als auch auf das Einritzen, Einkerben, Markieren. Und wenn wir unter diesen Voraussetzungen die Arbeiten Bernd Müllers betrachten, so stellen sich eben diese doppelten Bedeutungen ein: Das dargestellte Stück Welt erscheint nicht als Kopie oder bloße Widergabe des Gesehenen, sondern als ein Zeichen für unsere Auseinandersetzung mit der Welt – mal locker, erlebnishaft heiter, mal als eine dunkle oder gar bedrohlich wirkende Chiffre, die beispielsweise eine aufgesprengte Bunkerwand so in den Himmel setzt, dass dieser fast ganz dahinter verschwindet. Oder ein Wegweiser zeigt zwar auf einen Ort, scheinbar sehr nah, aber der letztlich doch ganz unerreichbar. (mehr …)