Die drei Künstler unserer aktuellen Ausstellung malen alle, alle drei malen gegenstandslos und alle drei gestalten gerne mit leuchtenden Farben.

Die drei Maler stehen nur selbst, als individuelle Person mit ihren individuellen Gefühlen und Emotionen vor der Leinwand. Sie treffen aber schon vorher Entscheidungen. Sie wollen ihre Gefühle in einer künstlerischen Form ausdrücken. Dies allein, dazu die Wahl des Formats und der Farben weist den per se ungeordneten und spontanen Gefühlen eine gewisse äußere Ordnung zu.

Joé Kaiser greift zuerst zu einer Farbe, die zu seinen aktuellen Gefühlen passt. Er beginnt in der Regel mit einer dunklen Variante als Basisfarbe. Dann arbeitet er sich mit verschiedenen Farbaufträgen und Techniken, die nicht immer mit unserer Schulvorstellung von malen entsprechen, ins Hellere vor. Ein pastoser Farbauftrag erzeugt auch dreidimensionale Effekte. Das sogfältige und immer wieder reflektierte Auftragen neuer Farbschichten, und auch anderer Farben verleiht den ursprünglich ungestümen Emotionen eine Form. Dennoch bleibt der spontane Charakter der Arbeit prägend.

Francesco Giampaolo geht anders vor als sein Freund Joé. Auch er will seine Gefühle künstlerisch ausdrücken, doch er trifft vorher eine Auswahl. Sicher nicht unbeeinflusst von der aktuellen Stimmung wählt er ein erlebtes Gefühl aus einer vergangenen Situation.

Durch seine Farbwahl, durch malen, übermalen, gießen und spachteln der Farben verleiht er dem imaginierten, dem erinnerten Gefühl einen künstlerischen Ausdruck.

Seine Herangehensweise ist also von Anbeginn an distanzierter und reflektierter. Ein vorgestelltes vergangenes Gefühl hat nicht mehr die Unmittelbarkeit und vielleicht Brisanz von damals. Wer aber die Lebhaftigkeit des Künstlers erlebt hat traut ihm, bei aller Distanz, ein emotional bewegtes Nachempfinden zu.

Bei sorgfältiger Wahl von Farben, Material und Technik gelingen ihm dynamische, ausdrucksstarke und farbenfrohe Bilder.

Steve Reiffers geht auch von seinen momentanen Gefühlen aus, überlegt aber genau seine Farbauswahl. Wichtig ist ihm auch, die Zahl der Farben zu beschränken. Dann arbeitet er sehr spontan und findet nachträglich Strukturen, die er oft durch Konturen hervorhebt. Er findet es wichtig, ein Bild konsequent von Anfang bis zur Endfassung zu bearbeiten.

Steve Reiffers schreibt seinen Arbeiten eine „Tendenz zum abstrakten Expressionismus“ zu.

Der Expressionismus wendete sich ursprünglich gegen eine Genussästhetik, die in den stimmungsvollen Lichtfarben des Impressionismus schwelgte.

Die Expressionisten provozierten mit der freien Verwendung von Formen und Farben, mit blauen Pferden und roten Kühen. Maler wie Franz Marc und Ernst Ludwig Kirchner blieben aber in ihren Werken noch gegenständlich.

Eine Vorliebe für markante Formelemente und die subjektive, freie Farbwahl finden wir auch in den Bildern unserer aktuell ausgestellten Künstler. Heutzutage allerdings provozieren diese künstlerischen Stilmittel niemanden mehr. Auch solche Kunst genießen wir heute.


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