Josée Kratochwil, Sandrine Brasseur

Josée Kratochwil veröffentlicht seit den 80er Jahren lyrische Beiträge in luxemburgischen und
ausländischen Anthologien. 2016 erschien ihr drittes Buch, mit lyrischen Texten, die aus
spontanen Einfällen und Eindrücken entstanden.
Sie illustrierte die Gedichte, indem sie ihnen jeweils auf der gegenüber liegenden
Seite Abbildungen ihrer Flechtarbeiten zugesellte.
Schon als Kind liebte sie das Flechten.
Das strenge Kreuzen der Farben faszinierte sie; jetzt liegt ihr mehr das Krumme und Chaotische.
Heute erschafft sie geflochtene Collagen aus jeglichem Material, das ihr begegnet.
Häufig sind das Papier und Pappe aber auch Leder, Wolle und Zweige, nicht einmal
Schrauben und Plastik verschmäht sie.

Dabei arbeitet sie nicht geplant und zielgerichtet, sondern fällt in eine tiefe meditative Konzentration.
Der Philosoph Ernst Bloch sagt: „Die Grenze zum ‚nochnicht-Bewussten‘ ist überschritten,
sie ist ein ‚Vor-Schein‘ des Gelungenen“.
Ihre Collagen oder Flechtwerke stellen nichts dar, sie sind ein intuitiv entstandenes Spiel
von Formen und Farben. Durch die Materialien und die Verarbeitung verleiht Josée Kratochwil
ihren Objekten auch eine räumliche Dimension. Josée Kratochwil betrachtet ihre Schöpfungen
als bildhafte Lyrik.
Sie fertigt ihre Objekte ohne Ziel, nur zur eigenen Freude.
In der meditativen Versenkung bei der Arbeit empfindet sie ein Gefühl der FlechtWerk
Josée Kratochwil Glückseligkeit. („Das Gehirn freut sich und alle anderen Organe auch!“ Kratochwil)
Josée Kratochwil beabsichtigt nicht, Gegenstände oder Lebewesen darzustellen.
Für uns Kunstinteressierte ist die Situation eine andere. Unser Gehirn sucht und findet
immer und überall Formen, denen es eine Bedeutung verleiht.
Wir alle kennen das von Wolkenbildern, die in Wirklichkeit keine Bilder sind.
Jedes Gehirn wird in Josée Kratochwils Flechtwerken andere Wirklichkeiten sehen und konstruieren.
Je mehr Eindrücke und Meinungen dabei entstehen, desto interessanter wird es.
Und wenn sich die Betrachterinnen und Betrachter auch noch austauschen über
ihre Eindrücke und Phantasien, dann verflechten sich auch die Menschen und ihre Gefühle zu einer gänzlich ungegenständlichen ideellen Collage.
Kunst verbindet Menschen, über Grenzen hinweg, über Geschlechter und Herkunft hinweg; viele
verschiedene Eindrücke und Meinungen entstehen, alle haben ihre Berechtigung.

Beseelte Steine
Sandrine Brasseur

Nach meinen zehn Jahren in Frankreich, England und schließlich in Aachen kehrte ich zu
meiner Heimatstadt Lüttich zurück und machte mich 2013 als Freiberufler selbstständig als Steinmetzin.
Das Atelier Pierre qui roule war geboren. 2018 war ich der Einsamkeit und der verrinnenden Zeit
überdrüssig und habe mich entschieden, auch einen Job als Grundschullehrerin anzunehmen und im
Nebenerwerb selbstständig als Steinbildhauerin zu bleiben.
Ich bin wieder frei, kreativ zu sein, wann ich will und ob ich es will. Es ist dem Bildhauertreffen 2019 in
Welchenhausen zu verdanken, dass ich mich in der Gegend niedergelassen habe und mehr und mehr zu
einem Eifelmädchen werde.
Meine Prozesse Meine Skulpturen treten notwendigerweise in einen Reflexionsprozess ein,
der direkt mit dem Stein verbunden ist. Es ist ein Moment des Austauschs zwischen dem
Material, den Menschen, denen ich auf dem Weg der Schöpfung begegne, und mir, meinem Kopf,
meinen Händen und meinem Können. Der Prozess der Begegnungen, der in diesem Moment stattfindet,
ist eine wahre Inspirationsquelle. Beseelte Steine Sandrine Brasseur Diese Mimikry, die mich in der
Bildhauerei trägt, und dann gibt es noch das, was ich den piaffierten Zufall oder die Kunst des
Abprallens nenne. Es sind diese Ungeschicklichkeiten oder Entdeckungen einer Besonderheit des
Steins, des verwendeten Werkzeugs, …
Die Emulation trägt mich, die Begegnung, die Diskussion, die Blicke …
„Une pierre, un arbre et une video“ Wiltz (Luxemburg) 2018
„Beseelte Steine“ Wie jedes menschliche Wesen Hat jeder Stein eine Seele Die nur darauf wartet,
Erschlossen zu werden. Durch die Hervorhebung Zeigen uns diese Steine ihre Schönheit.
Wie ein Geheimnis, das im Laufe der Zeit Gut gehütet wurde.