Loni LIEBERMANN (Herzogenrath)

_Postkarte 2

 LONI LIEBERMANN

»GEHEN«

Kunst-Fotografien. Installation.

30. November 2013 – 20. April 2014

Bis Ostern 2014 stellte die Zeichnerin und Foto-Künstlerin Loni LIEBERMANN in der ARTE-HALLE aus. Sie lebt und arbeitet in Herzogenrath bei Aachen. Bei den ausge-stellten Arbeiten handelte es sich zum einen um so genannte „Wisch-Bilder“, Fotografien, die beim Gehen entstanden sind, zum anderen um eine Installation, die in Form eines großen Wand-Vorgangs unterschiedlichste Bilder von Wegen, Waldpfaden, Brücken u. Ä. zeigt. Die Ausstellung stand un­ter dem Leitthema „Gehen”.

Auf Wegen gehen

Gehen ist für die Fotografin Loni LIEBERMANN eine der alltäglichsten und normalsten Tätigkeiten. Vielleicht spielt deswegen das Gehen oft nur eine untergeordnete Rolle in unserer Wahrnehmung spielt. Medizin und Wissenschaft wenden sich bevorzugt dem Laufen zu, das heißt einer Fortbewegungsform, die sich optimieren lässt und gesund-heitliche Wirkung verspricht. Anders das scheinbar simple Gehen.
Gehen ist sanft. Es ist eine Fortbewegung ohne „Flugphase”. Es hat einen freundlichen Rhythmus. Es verlangt wenig Aufmerksamkeit. Gehen bildet eine gute Basis für Unter-haltungen. Unsere Gedanken  können sich beim Gehen frei bewegen. Gleichzeitig behält aber der Körper seine dynamische Verbindung mit dem Boden.
Weglos” zu gehen, ist auf jeden Falle sehr mühsam. Es gibt sehr unterschiedliche Wege. Allen gemeinsam ist, dass sie Zeugen unserer Kulturgeschichte sind und gesellschaftliche Vernetzungen widerspiegeln. Selbst dort, wo wir uns in anscheinend „freier“ Natur bewegen, gehen wir fast immer durch eine im Lauf der Jahrhunderte vom Menschen gestaltete und veränderte Landschaft. Der„steinige Pfad“, der „Scheideweg”, die „hohle Gasse” – häufig werden Wege in übertragener Bedeutung gesehen. Sie stehen als Bild-Metaphern für Lebensabschnitte oder den Lebensweg. „Gehen auf einem Weg” ist für die Künstlerin LIEBERMANN ein komplexes und immer wunderbar neues Erlebnis.

Zur Ausstellung in der ARTE-HALLE

Ausstellung Gehen, Loni Liebermann

Loni LIEBERMANN hatte für die ARTE-HALLE zwei Serien aus ihren umfangrei-chen Bildarchiven zusammengestellt. Die erste ist 2011 entstanden und zeigte Foto-grafien, die den Rhythmus des Gehens nachzuzeichnen versuchen. Sie sind beim Gehen gemacht worden, sie halten die Geh-Bewegung fest. Gesehenes-Erlebtes wird auf die Farbe konzentriert. Aus-gehend von Tages-Beleuchtung, Vegeta-tion, Umgebung füllen die Farben das Bild, lichtstrahlend, abstrakt, verwischt. Diese Wischbilder sind dem Licht ge-widmet; Licht macht uns Sehen ja erst möglich. Die verschiedenen Bilder führen den Betrachter aus der Morgenfrühe bis in die Nacht. Sie ermuntern zum Nach-erleben wie zur Meditation.
Die zweite Serie war eine Installation aus zahlreichen Einzelbildern, alle „den Wegen“ zugeeignet, auf denen sich Gehen vollzieht. Menschen waren nirgends zu sehen. Der „Weg” stand im Mittelpunkt. Der Auswahl lag ein leicht zu erfassender Plan zugrunde. Loni LIEBERMANN hatte die Fotografien als großen Vorhang vor die Giebelwand des Museums drapiert, wo er locker und von der Luft bewegt hin und her schwang. Dies sollte natürlich den Vorgang des Gehens zeigen und die Bewegung in stets wechselnden Ausblicken simulieren. Zum Weiteren zogen sich diese Bilder durch alle vier Jahreszeiten und beschrieben so außer den Orten auch die Zeit, durch die wir uns bewegen. Die Motive dieses Bildteppichs oder -vorhangs stammten durchweg aus der Eifel, den Ardennen oder dem belgischen Südlimburg.

Selbst-Interpretationen

„Im Strom der Veränderungen und Ereignisse wirken Dinge wie Inseln der Stabilität. Alle Dinge, für sich genommen, sind Stillleben. In gewisser Weise zählen dazu für mich auch Landschaften.
So wie auch das Stillleben – als Wort wie als Bild – bereits eine gewisse Doppeldeutigkeit in sich birgt, so ist unsere Wahrneh­mung von den Dingen der Welt  stets von vielfältigen kulturellen und persönlichen Faktoren geprägt.
Das ‚Ding an sich’ geht  mit Raum, Zeit, Erfahrungen und mit den individuellen Besonderheiten wie Einschränkungen der Betrachter eine innige Verbindung ein.
Die mediale Umsetzung verändert die Wahrnehmung der ( künstlerisch erarbeiteten und gezeigten ) Gegenstände. Sie überlagert unser Sehen, Meinen und Fühlen mit einer Schicht neuer Bedeutungen und Möglichkeiten. Diese Ver­wandlungen interessieren mich vor allem.”
Loni  Liebermann                          

 


  Künstlerischer WerdegangBuchenhecke-im-Monschauer-Heckenland-bei-Eicherscheid_06-12-10-0068

  • Ge­boren in Berchtesgaden
  • Studium zwischen 1970 – 1975 Folkwangschule Essen bei Profes­sor Otto Steinert
  • anschließend Lehraufträge für Fotografie an den Fachhochschulen Augsburg und Aachen
  • ab 1984 Ausstellungen ihrer Zeichnungen & Fotografien in Deutschland, Polen, Frankreich, Bel­gien, den Niederlanden…
  • seit 1998 berufenes Mitglied der „Deutschen Foto­grafischen Akademie” (DFA)

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