Hanne HORN (Düsseldorf)

Familie»NACHBARN«
Eine Hommage an den Augenblick Porträtfotografien

Ausstellungsdauer 24. Juli bis 15. Oktober 2004

Zur Ausstellung in der ARTE-HALLE

Die Arbeiten für die Ausstellung der Fotografin HANNE HORN sind eigens für das Museum angefertigt worden. Dazu hatte die Künstlerin das knapp 35 Einwohner zählende  Dorf Welchenhausen mehrfach besucht, um dem Ort im Our-Tal näher zu kommen. Die Menschen hier leben in einer für die Westeifel und die Islek-Region typischen, seit Gründung des Museums allerdings auch »etwas besonderen« NACHBAR-SCHAFT: Alteingesessene wohnen neben Zugezogenen; Touristen begegnen denen, die zur Arbeit ins Umland oder (inzwischen seltener) auf Äcker und Wiesen hinausfahren; die wenigen Jugendlichen finden hier (immer noch) ihre Lebensmitte; und die Älteren betrachten nachdenklich-stoisch den rasant fortschreitenden Wandel, der sich vor allen Dingen in Abwanderungen und Strukturwandel äußert. In den Portraits der Dorfbewohner ließ Hanne HORN auch diese Zusammenhänge mit großer Sensibilität und Empathie durchscheinen.

Eine Hommage an das Dorf, das Museum und seine Nachbarn

Porträts zeigen naturgemäß das Individuelle und Momentane mehr als den dauerhaften Zusammenhang, und das Nebeneinander tritt meist stärker in den Vordergrund als das nachbarschaftliche Verbindende. »Nachbarschaft« – speziell die Nähe der Bewohner zum Ausstellungsort und ihre Anbindung an das „dorf-eigene“ Museum – gab der Ausstellung von Hanne HORN allerdings den eigentlichen Hintergrund und die leitende Idee. Zuerst war es für die Porträtierten nicht selbstverständlich, sich vorzustellen, einmal selbst als »Museums-Bild« gezeigt zu werden. Die ARTE-HALLE aber – ehrenamtlich von den Umwohnenden betreut und begleitet – gehört inzwischen schon »wie selbstverständlich« mit zum Dorf. Die Neugier auf Kunst, die Begegnungen mit den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern, auch die Freude über die zahlreichen Besucher spiegeln sich und verbinden sich somit auch in diesem Nachbarschaftsbild. Folglich waren Hanne HORNs Bilder auch eine »Würdigung« für Aufwand und Arbeit, die von den »Nachbarn der ARTE-HALLE« für ihr Museum geleistet werden.

Aber natürlich suchen die Porträtfotos der Künstlerin Hanne HORN in jedem Gesicht nach dem Leben, hinter jeder Körperhaltung nach der Befindlichkeit der Porträtierten der Welt gegenüber, in der sie sich befinden und darstellen. So kommen die Individualität des/der Einzelnen zum Ausdruck und in gleicher Weise die Gebundenheit an den jeweiligen Lebensraum. Hanne HORN zeigt die wechselseitigen Prägungen, die vom dörflichen Umfeld, der Landschaft und also den Arbeits- und Erfahrungsräumen auf die Menschen ausgehen und von den Personen auch wieder in das sie Umgebende hineingehen.

Die Gelassenheit des alten Bauern beispielsweise, der vor seinem Haus auf der Bank sitzt, weist auf die meist anstrengende Arbeit in den Äckern und Feldern, die aber, so meint man zu sehen, im Großen und Ganzen mit Zufriedenheit getan worden ist. Zwei Dreier-Porträts zeigen Familienbilder, nicht nur unterschiedlich durch das Alter der beiden Gruppen, sondern auch in den jeweils dominierenden Rollen bzw. dem Zusammenhalt untereinander. Ein junger Mann mit Guitarre; jugendliche Kraft, die möglicherweise auf Ausbruch aus der dörflichen Enge drängt, und im Hintergrund eine Wand von Winterbrennholz, das auf die örtlichen Lebensbedingungen (körperliche Arbeit; Kälte) verweist. Paare, die sich einander zuwenden; „Neusiedler“, Touristen, Jäger/in. Junge Männer mit offenem Blick in das Kameraobjektiv der Fotografin.

Nicht alle im Dorf hatten sich ablichten lassen; die Scheu, sich in die Öffentlichkeit gebracht zu sehen, war wohl zu groß. Dennoch hat Hanne HORN auch so etwas wie ein Dorfporträt zustande gebracht. Es stellt Menschen vor, die – von den Städten her gesehen – im Abseits, in einem prinzipiellen Anderswo zu Hause sind. Das Schwarz-Weiß der Fotografien soll keineswegs auf Düsternis und Tristesse verweisen. Die Schwarz-Weiß-Fotografie ist durchgängig das generelle Ausdrucksmittel, das sich Hanne HORN gewählt hat. Hier bei den Fotos der „Nachbarn des Museums“ wird deutlich, wie der Verzicht auf die oft äußerst aufdringliche Farbigkeit der Fotoalben der Darstellung von Menschen im Porträt entgegen kommt und den Individuen in ihrer Besonderheit erst eigentlich Ausdruck verleiht.


Dr. Petra Urban:
Über die Porträtfotos von Hanne Horn
Ein Redeauszug

Wer von Landschaften erzählen will, braucht nicht unbedingt Worte; mitunter genügen auch Farben; und manchmal gelingt es sogar, Geschichten von Landschaften ganz ohne Worte und Farben zu erzählen. Dies ist bei der Fotografin Hanne Horn der Fall, deren Bilder »Menschen-Landschaften« sind. Indem sie sich um eine persönliche Beziehung zu den Menschen bemüht, gelingt es ihr, die Portraitierten so darzustellen, wie sie sind: ungeschminkt und ungekünstelt. 
Gerade in der Portrait-Fotografie hat sich die Tendenz der Idealisierung und Ästhetisierung  – vor allem bei Frauenportraits – breit gemacht hat. In monotoner Gleichmäßigkeit werden da Gesichter kunstvoll ausgeleuchtet, tadellos geschminkt und so zur Makellosigkeit und Perfektion gezwungen. Diese Tendenz fotografischer Fiktion – die oft den seltsamen Beigeschmack von Erstarrung und Leere mit sich bringt – sucht Hanne Horn zu umgehen. Ja, sie verzichtet ausdrücklich darauf und widersetzt sich mit Absicht dem Diktat dieser tradierten Ästhetik.  Dabei handelt sie nicht nur vorsätzlich, sondern zudem überaus lustvoll.  Ihre Bilder künden von dieser Lust.
Knapp resümiert, fängt sie es ein, das Leben in Fülle. Indem die Fotografin eine ungekünstelte Version von Wirklichkeit als Ausdrucksform für sich erkannt hat, gelingt ihr ein Triumph der Lebendigkeit: Eine »Horn-mage« an den Augenblick. Und um Hanne Horns Werk mit einem Wort Leo Tolstojs zu unterstreichen: »Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich zusammen aus Licht und Schatten.«


 

 

 

 


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